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Off-University an erster Forschungskooperation beteiligt


Off-University ist Kooperationspartnerin im Forschungsprojekt "Beyond Social Cohesion: Globale Repertoires des Zusammenlebens" (RePLITO), welches im Rahmen der Grand Challenge Initiative Social Cohesion von der Berlin University Alliance (2021-2024) gefördert wird. Was macht RePLITO und wie sieht die Zusammenarbeit mit Off-University aus?

Unter der Leitung von Prof. Dr. Schirin Amir-Moazami an der Freien Universität Berlin und Prof. Dr. Nadja-Christina Schneider an der Humboldt-Universität zu Berlin stellt eine Gruppe von derzeit 16 Forschenden den Begriff des "sozialen Zusammenhalts" in Frage, indem sie marginalisierte und vernachlässigte Repertoires des Zusammenlebens aus einer transregionalen Perspektive erforscht. Zusammenleben wird üblicherweise als "mangelnder sozialer Zusammenhalt" problematisiert und ist konzeptionell fest mit dem Nationalstaat verbunden, kurzum, es basiert auf den Erfahrungen des Globalen Nordens und dessen Bestreben, homogene Gesellschaften zu schaffen. RePLITO hingegen macht Repertoires anderer Regionen sichtbar, um weitere Wege des Zusammenlebens aufzuzeigen. Off-University trägt dazu bei, indem es einen Online-Kurs zu dem Thema mitorganisiert. Der von gefährdeten Wissenschaffenden moderierte Online-Kurs ist als digitales Forschungslabor konzipiert, in dem die Teilnehmenden in selbstgeleiteten kleinen Forschungsprojekten zu den übergeordneten Fragestellungen des Forschungsprojekts beitragen.

Im Sommersemester 2021 haben Dr. Nagehan Uskan und Salim Nabi den Kurs "Commons and Learning to Live Together - A Critical Intervention in Migration Studies from Lesvos, Greece" mit Teilnehmendengruppen in Lesvos und Berlin durchgeführt. Der Kurs unterminierte die Beziehung der Akademie zum "Feld", indem er das Feld in den Seminarraum brachte - mit all den Herausforderungen, die ein solches interaktives und erfahrungsorientiertes Lernen an die Autorität der Akademie in Bezug auf Fragen der Theorie, Methode und Wahrheit/Repräsentation stellt. Darüber hinaus mussten wir uns mit organisatorischen Problemen auseinandersetzen, die mit der Pandemie und der Unmöglichkeit, sich zu treffen, zu diskutieren und technische Infrastruktur gemeinsam zu nutzen, verbunden waren. Viele der Teilnehmenden auf Lesvos leben im Camp und haben somit nicht nur keinen Zugang zu Computern, sondern wurden auch während der laufenden Kurses in andere Länder relokalisiert. Doch gerade diese Herausforderungen und das Bestreben, sie zu bestreiten, machen einen solchen Kurs für Off-University lohnenswert.

Auf www.replito.de hingegen haben wir gemeinsam mit den RePLITO-Wissenschaffenden ein dynamisches und leicht zugängliches digitales Wissensarchiv erarbeitet, das globale Repertoires des Zusammenlebens sammelt und konzeptualisiert. Unser Ziel ist es, die Ergebnisse der RePLITO-Forschung öffentlich zugänglich zu machen und sie im Dialog mit anderen universitären und außeruniversitären Wissensakteur:innen zu ergänzen. Wir verstehen die Website als einen digitalen Raum, in dem wir mit verschiedenen akademischen Formaten experimentieren, darunter multimediale Konversationen und kollaboratives Publizieren.

Für Off-University ist diese Forschungskollaboration ein erster großer Schritt auf unserer Suche nach Wegen, wie gefährdete Wissenschaffende, die von akademischen Netzwerken abgeschnitten wurden, nicht nur über Lehrtätigkeiten, sondern auch durch Forschung wieder Anschluss an eine akademische Community finden können. Wir betrachten Schreiben als ein Kernstück der Forschung in all ihren Phasen und erkunden daher Wege, die akademische Zusammenarbeit im Schreibprozess zu erleichtern. Als Teil von www.replito.de dient das Digitale Wissensarchiv als Klammer, in der Wissenschaffende im RePLITO-Netzwerk und darüber hinaus interagieren und ihre Gespräche fortsetzen können. In Zukunft wird es eine Reihe von Tools umfassen, die Ko-Autor:innenschaft, Peer-Review und Community-Publishing ermöglichen.